Ehrung für 85-jährige Mitgliedschaft


85-jährige Mitgliedschaft


Ein Gespräch unseres Vorsitzenden des Ortsvorstandes Forst, Peter Lobner, mit unserem Mitglied Günter Seelig anlässlich der diesjährigen Ehrung für 85-jährige Mitgliedschaft und seiner Tochter Rosemarie Gerhard.

Geboren am 28.01.1918 in Sonnenburg, der Stadt, die durch die Johanniterritter sehr bekannt war. Kollege Seelig erzählt:

Bei der Firma Penschke habe ich von 1932 bis 1935 den Beruf des Zimmermanns erlernt. Noch als Lehrling bin ich damals in die Gewerkschaft eingetreten. Das war richtig so. Wir haben alles, was aus Holz war gebaut und Betonbrücken. Schwer war der Holzbrückenbau. Da mussten gewaltige Balken getragen und fachgerecht verbaut werden.1936 ging ich nach Berlin. Ich war jung und wollte Geld verdienen. In Sonnenburg ab es 50 Pfennig die Stunde und in Berlin 1,08 RM. In meiner Freizeit war ich viel in Berlin unterwegs. Nach dem Krieg habe ich Berlin nicht wiedererkannt.

Ich habe bei verschiedenen Firmen gearbeitet und ich gebe zu, ich habe immer gestohlen. Aber immer nur mit den Augen. Manchmal kostete es mich eine Flasche Schnaps, wenn ich komplizierte Arbeiten erläutert oder erklärt haben wollte. Die Altgesellen gaben ihr Wissen nicht so einfach preis. Durch den Autobahnbau (Brückenbau) kam ich 1938 nach Forst und lernt hier beim Tanz meine Frau kennen.

Dann kam der Krieg und die Einberufung. In den sechs Kriegsjahren habe ich meine Frau nur drei Mal gesehen. Mit viel Glück und Geschick habe ich diese mörderische Zeit überstanden. Vergessen kann ich sie nie. Nach Krieg und Gefangenschaft bin ich zurück nach Forst zu meiner Frau.

In Forst habe ich dann bei der Forster Bauhütte als Zimmermann angefangen. Wir machten wieder alles, was aus Holz war. Es war viel Handarbeit. Zum Beispiel ging es in den Wald Bäume fällen und mit dem Breitbeil Balken behauen. Ich hatte immer Glück. So, wie im Krieg und in der Gefangenschaft überlebte ich auch einige schwere Arbeitsunfälle. Beim Wiederaufbau des Forster E-Werkes stürzte ich durch morsche Bretter und mehrere Etagen bis in den Keller. Bei dem Bau der Cottbuser Stadthalle oder beim Bau des Konsument-Warenhauses in Cottbus stürzte ich noch mal in die Tiefe. Alles ist gut gegangen.
Ich habe immer gern mit Holz gearbeitet. Es war mir nie eine Last. Noch heute, wenn ich an einer frischen Holzarbeit stehe, muss ich mit der Hand drüber streichen und daran riechen.

Die Tochter unseres Mitglieds, Frau Rosemarie Gerhard, kommt zum Gespräch dazu und erzählt:

Immer wieder kamen und kommen Leute zu ihrem Vater und fragen um fachlichen Rat. Noch mit 70 Jahren hat er fast im Alleingang mit ihrem Mann den Dachstuhl der Noßdorfer Kirche mit Begeisterung erneuert. Als er 90 Jahre war, wurde er gebeten, bei Schwierigkeiten bei einem Bau in Dubrau bitte zu helfen. Und Günter tat das, was er das ganze Leben getan hatte – er half.


IG Bauen-Agrar-Umwelt, Bezirksverband Südbrandenburg
Ortsverband Forst/Lausitz



Günter Seelig an seinem 100. Geburtstag mit seiner Tochter Rosemarie

Günter Seelig tanzt an seinem 100. Geburtstag mit Tochter Rosemarie